Ich bin eine Wochenendmutter

Diesen Monat jährt es sich wieder - mein „Wochenendmutter-Status“ geht in die 6 Runde. Das bedeutet für mich und meine Kinder, dass wir dieses Familienmodell seit 5 Jahren leben! Höchste Zeit mal darüber zu berichten, was ich als Wochenendmutter erlebt habe und wie es mir in den letzten 5 Jahren als Wochenendmutter ergangen ist.

 

Es ist für mich ein ernstes und eher unangenehmes Thema. Auch nach 5 Jahren noch. Ich habe auch lange mit mir gerungen, ob ich darüber schreiben mag, denn mich berührt das Thema. Natürlich, denn es ist ja mein Leben und es betrifft nicht nur mich, sondern auch meine beiden Kinder. Ein Argument offen über das Thema Wochenendmutter zu schreiben ist, dass zumindest im kleinen Rahmen die Gesellschaft daran teilhaben kann und ich wünsche mir gleichzeitig, dass man uns Wochenendmütter offen und nicht bewertend, oder abwertend begegnet.

 

Wie es wirklich war

Vor 5 Jahren war es also so weit. Ich habe mich von meinem damaligen Ehemann getrennt und bin aus einem schönen gelben Reihenhäuschen in ein WG-Zimmer ausgezogen. Dieser Schritt war nicht leicht, aber er musste sein. Meine beiden Söhne sind nicht mit mir ausgezogen, sondern bei den Vätern geblieben. Ich war damals finanziell nicht gut aufgestellt, musste nach dem Studium mein Anerkennungsjahr absolvieren und die Jungs sollten weitestgehend in der gewohnten Umgebung bleiben. Mein WG-Zimmer war in der unmittelbaren Nachbarschaft zu den Kindern. Es war anfangs auch so gedacht, dass ich eventuell zurückkommen kann, wir eine Ehe-Pause einlegen. Ich bin nie zurückgekommen.

 

Zu Anfang bin ich noch jeden Abend zum kleinen Jungen, war beim Abendbrot da, habe den Jungen mit ins Bett gebracht. Er war ja auch noch sehr klein. Nach ein paar Wochen konnte ich das nicht mehr. Warum war ich ausgezogen, um trotzdem noch jeden Tag bei meinem geschiedenen Mann zu sein? Es ging einfach nicht mehr. Ich brauchte diesen Cut.

 Eine Trennung ist schon schwer, aber wenn Kinder noch mit im Spiel sind, viel schwerer. Ich habe mich damals so schuldig, so schlecht gefühlt und mein damaliges Umfeld hat auch alles dazu beigetragen, dass dieses miese Gefühl sich intensivieren konnte. Freunde wendeten sich von mir ab und wollten nichts mehr mit mir zu tun haben. Sogar aus der eigenen Familie wurden Stimmen laut und es herrschte völliges Unverständnis für meine Situation.

 

Wie kann man sowas als Mutter nur machen?

Eine Trennung allein ist schon kompliziert und schrecklich schlimm, aber es kamen noch unglaublich viele Dinge hinzu. Vom Ex-Ehemann ständig belagert und beschimpft, das Anerkennungsjahr wuppen, für die Kinder im gewohnten Maß und am besten noch mehr da sein, um die Schuldgefühle zu bekämpfen und sich dann noch gegen die äußeren Verletzungen abgrenzen. Es war eine so schreckliche Zeit und das ganze Drama hat mich sehr viele Federn gekostet.

 

Da ich in unserer Stadt keine Stelle gefunden hatte, habe ich eine Anerkennungsjahrstelle in 150 Km Entfernung von der Stadt in der meine beiden Jungs leben, angenommen. Ich habe im Schichtdienst gearbeitet und auch Wochenenddienste geleistet. Die Jungs habe ich nur noch alle 14 Tage gesehen. An den freien Wochenenden bin ich dann zurück in mein Bielefelder WG-Zimmer und habe die Kinder dann dort getroffen. Es war unglaublich Kräfteraubend und so viel Fahrerei, aber ich habe das auf mich genommen, weil ich meine Kinder liebe und bei ihnen sein möchte.

 

 

 

Vorurteile

Immer wieder werde ich mit den Vorurteilen meiner Mitmenschen konfrontiert. Ich, als Wochenendmutter, oder auch gerne mal als Rabenmutter geschimpft, scheine eine Exotin zu sein. Selbst auf einer Gartenparty werde ich völlig unverblümt ausgefragt, wie ich das denn alles mache, wo die Kinder sind, ob es schwierig ist, etc. Für mich eine ganz schwierige Situation. Erstmal ist eine Gartenparty kein geschützter Rahmen und ich bin auch nicht bereit, mir völlig unbekannten Menschen meine Lebenssituation zu offenbaren. Auch, weil ich es emotional noch nicht konnte. Irgendwann schossen mir die Tränen in die Augen und mein Gegenüber begriff, dass diese Fragerei in diesem Rahmen unsensibel und völlig unangebracht ist. Heute gehe ich mit solchen Situationen anders um. Ich bin niemandem eine Rechenschaft schuldig und auch keine Auskunft über mein Leben. Ich entscheide, wer teilhaben darf und wer nicht und sage das den betreffenden Personen auch deutlich. Dieses dicke Fell musste ich mir erst wachsen lassen, was sehr lange gedauert hat und es gibt auch gute und weniger gute Tage mit schützendem Fell.

Wenn ich neue Menschen kennenlerne und Sie erfahren, dass meine Kinder nicht bei mir leben, habe ich das Gefühl, dass ich sehen kann, wie es in Ihren Köpfen arbeitet und sie sich genau in dem Moment fragen: „Oh, was hat Sie nur verbrochen, dass ihre Kinder nicht bei ihr leben? Vermisst sie ihre Kinder nicht? Wie kann sie nur? Rabenmutter!“.

 

 

Ich antworte jetzt noch mal für euch alle:

 

 

Ich habe nichts verbrochen. Ich habe eine Entscheidung getroffen, die mir sehr schwer gefallen ist. Ich habe mich von meinem Exmann getrennt und hielt es für das Beste, die Kinder in ihrem gewohnten Umfeld zu lassen. In einem Haus mit Garten, mit einem Haustier, bei Freunden und Familie, in der gewohnten Schulklasse und im geliebten Fußballverein.

 

Natürlich vermisse ich meine Kinder. Jeden verdammten Tag vermisse ich die beiden! Ich habe mich nicht von meinen Kindern trennen wollen, sondern von meinem Exmann. Ich bin keine Rabenmutter, da ich meine beiden Söhne sehr liebe.

 

Wir wissen das und das genügt.

 

Warum geht unsere Gesellschaft so mit uns Wochenendmüttern um? Es gab ja schon einige Beiträge, Artikel in Foren und garantiert einen Shitstorm dazu. Unsere Gesellschaft möchte nicht, dass es Menschen gibt, die anders sind, anders denken und handeln. Selbst aus den eigenen Reihen der Mütterfraktion wird gemosert und gedisst, was das Zeug hält. Warum? Was habt ihr davon? Eine Aufwertung eures Familienbildes?

 

 

 

Mein Wunsch

Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass Mütter sich gegenseitig unterstützen. Ganz einfach Fragen, wie man helfen kann, als sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft dann ein kleines Stück weit besser funktionieren würde. Offenheit gegenüber den „Anderen“, ja, auch Toleranz! Denn, wie sagt man hier im Rheinland so schön; „Jede Jeck is anders“.

 

Mein Anerkennungsjahr habe ich jetzt schon lange erfolgreich absolviert und lebe nun in der Nähe von Köln, zusammen mit einem neuen Partner. Die Fahrerei zu den Kindern ist leider geblieben. Das 14-Tage-Modell hat sich etabliert und ist inzwischen zu unserem Alltag geworden. Die Ferien teilen wir uns. Die eine Hälfte der Ferien sind die Kinder bei mir, die andere Hälfte bei den Vätern. Den Kindern geht es gut!

 

 

Unterstützung für Wochenendmütter

Hilfe und Unterstützung für Wochenendmütter gibt es inzwischen. Bei Facebook gibt es eine geschlossene Wochenendmütter-Gruppe in der ich auch Mitglied bin. Gerade wenn man am Anfang steht, tut es unheimlich gut, sich mit anderen Wochenendmüttern auszutauschen. Jede Wochenendmutter ist Herzlich Willkommen!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Sigrid (Freitag, 03 November 2017 09:16)

    Toller Blogeintrag! Schön geschrieben.

  • #2

    Petra (Samstag, 04 November 2017 07:26)

    Dem schließe ich mich uneingeschränkt an.

  • #3

    Ulrike.steinkuehler@googlemail.com (Samstag, 04 November 2017 18:03)

    Das hast du wunderschön geschrieben. Es ist schon schwer, wenn man sich trennt und es sind Kinder da.
    Aber Hauptsache ist doch, die Kinder sind glücklich,fröhlich und zufrieden. Und das sind sie.

  • #4

    Aicha (Freitag, 17 August 2018 22:30)

    Hallo liebe Leidensgenossin,

    ich bin seit dem 01.12.2017 auch eine Wochenendmama.

    Mein neuer Lebenspartner wohnt 400 km von meinen Kindern entfernt.
    Unterstützung habe ich wenig im Ort wo meine Kinder mit der Familie meines Mannes wohnen, kaum.
    Ohne Auto und mit schlechter und teurer Öffianbundung ist es unnögluch mit wenig Geld zu (über) leben.
    Viele verstehen nicht wieso ich die Kinder bei dem Vater gelassen habe.
    Ich nöchte die Kinder nicht in Armut groß ziehen und ohne Verwandtschaft.
    Es geht um 'das Wohl' der Kinder und nicht um das Ego der Mutter (was sie will).

    Das verstehen leider nur die Wenigen intelligenten Menschen unter uns.

    Die die anders denken und uns beschimpfen, sind in Traditionen und alte Muster verstrickt und fest gefahren.

    Da gibt es für solche Menschen keine neue Weltansicht oder Kreativität.

    Sie sehen DAS Problem und nicht DIE Lösung.

    Meinen Kindern geht es sehr gut. Der Papa kümmert sich ausgesprochen gut um sie.
    Im Mehrfamilienhaus seiner Eltern, haben die Kinder sogar einen Garten mit Obstbäume und einem Gemüsebeet.

    Tanten, Onkeln, Cousinnen, Cousin's, Oma, Opa, alle sind sie in der Nähe und da. Selbst die Kita ist gut zu Fuß zu erreichen.
    Und einen guten Kontakt mit der Mama haben sie auch.

    Jeder Mensch und Familie muss und kann ubd soll seinen eigenen Individuellen Weg gehen dürfen.

    In Liebe, Frieden und Harmonie ♡.

    Für ihren Beitrag bedanke ich mich herzlich!
    Es gibt mir Mut nicht alleine zu sein.

    Danke ♡.

    Alles Gute!

    "Man braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen."

    -Afrikanisches Sprichwort-